Zwei Jungen. Einer taucht den anderen im Seifenkistenwagen an

đŸ’» Digitalisierung: Aussitzen oder Ausprobieren?

3. April 2019 | von Lydia Höller

⭐Das TagesgeschÀft in der Technik ist herausfordernd. Die Möglichkeiten vielfÀltig, der Kosten- und Zeitdruck auch. Wo also anfangen, wenn die eigene Organisation durch digitale Techniken verbessert werden soll?

Menschen, Maschinen, Halbfertigteile und Produkte — alle ‚kommunizieren‘ in der ‚Smart Factory‘ miteinander, so die Vision. Gleichzeitig herrscht Ressourcen-Engpass – sowohl Budget als auch Teammitglieder mĂŒssen effizient eingesetzt sein, um die geforderte AnlagenzuverlĂ€ssigkeit möglich machen zu können.

Lieber Aussitzen als Ausprobieren?

Digitalisierung, Automatisierung und Vernetzung ist in. ‚Alle‘ machen das ja jetzt, richtig? Das Blöde daran – sie sind nicht ‚von der Stange‘ kaufbar (auch wenn manche Anbieter einen das glauben lassen möchten).

Daraus ließe sich ableiten, dass es sinnvoll wĂ€re, noch zu warten, und dann die ‚fertige‘ Technologie ohne Bugs und Schwierigkeiten einzufĂŒhren. Genau hier liegt der Knackpunkt. Der richtige Zeitpunkt ist nicht in ein, zwei, drei Jahren, sondern offensichtlich genau jetzt. Die digitale Transformation aller Lebensbereiche schreitet voran. Die Zeit ist ein entscheidender Faktor. Das Forschungsprojekt i-Maintenance hat einmal mehr gezeigt, dass diejenigen von neuen Technologien profitieren, die rasch und neugierig, aber auch mit der notwendigen Strategie und Zielfokussierung in die Umsetzung gehen. Michael Pendeder, Experte fĂŒr Innovation und Strukturwandel am Wirtschaftsforschungsinstitut in Wien, drĂ€ngt zur bedachten Umsetzung: „Auswirkungen von Technologie werden gerne kurzfristig ĂŒberschĂ€tzt, aber langfristig unterschĂ€tzt“. NutzenĂŒberlegungen im Sinne der Unternehmens-Strategie sollten also jedenfalls zu Beginn jeder Initiative stehen.

Wie gehe ich es an?
Nachdem es ‚Instandhaltung 4.0‘ nicht ‚fertig‘ zu kaufen gibt, nĂ€hern wir uns dem Thema strukturiert. Andreas Dankl zeigt auf, welche Aspekte bei einem erfolgreichen I4.0-Konzept nicht fehlen dĂŒrfen (siehe Abbildung 1). Angefangen bei der Datenerfassung bzw. -bereitstellung, ĂŒber die DatenĂŒbertragung/-speicherung (Security nicht zu vergessen), hin zur Analyse und Modellbildung und daraus abgeleitet die Entscheidungen und sinnvollen AktivitĂ€ten – also das Finden der ‚richtigen‘ Entscheidungen im Sinne der Unternehmens-, Asset- bzw. Instandhaltungsstrategie.

Halten Sie Ihren Aufwand in Grenzen!
Konzentrieren Sie sich auf Ihre SchlĂŒsselanlagen bzw. -anlagenteile. Sortieren Sie Ihre Assets nach KritikalitĂ€t und konzentrieren Sie sich auf die ‚kritischen‘ Anlagen/-teile, also auf jene, die z.B. im Falle eines Ausfalls zu den grĂ¶ĂŸten Ausfallkosten fĂŒhren wĂŒrden oder aktuell die grĂ¶ĂŸten Schwierigkeiten bereiten.

Abb.1: Wichtige Bestandteile eines I4.0-Konzeptes

Klingt einfach, doch wirft diese Vorgehensweise in der Praxis naturgemĂ€ĂŸ viele Fragen. Angefangen von der notwendigen Risikoanalyse bzw. Klassifizierung Ihrer Anlagen bis hin zu Datenthemen wie: Welche Daten werden wo in welcher QualitĂ€t, HĂ€ufigkeit, etc. erhoben?

Das ist Arbeit. Und ja, sie lohnt sich.
Gehen Sie Schritt fĂŒr Schritt vor. Starten Sie mit einzelnen Anlagenbereichen. Definieren Sie ein Projekt mit klaren ZustĂ€ndigkeiten, Budget, Start- und Enddatum und entsprechenden Zielen. Und holen Sie sich UnterstĂŒtzung von Extern, etwa ĂŒber BranchenverbĂ€nde, Netzwerke oder Experten. Sie mĂŒssen das Rad nicht neu erfinden. Wertvoll ist in diesem Zusammenhang auch die Möglichkeit, einzelne Fragestellungen ganz gezielt in Forschungsprojekten abzuwickeln.

Forschung abseits des Elfenbeinturms.
Praxis-Plattformen, wie das MCC Maintenance Competence Center haben es sich zum Ziel gesetzt, Technikern den Zugang zu Fördergeldern fĂŒr ihre Fragestellungen zu erleichtern. Hier findet sich gebĂŒndeltes Know-how zu Ausschreibungen und potenziellen Fördergebern ebenso wie das Wissen um Themenstellungen bei anderen produzierenden Unternehmen oder bereits realisierte Lösungen fĂŒr sehr spezielle Anwendungen.

Forschungsbudgets stehen auch fĂŒr Instandhaltungs-Themen parat.
2017 bewilligte die FFG 3.775 Projekte mit einer Gesamtförderung von EUR 685 Mio. EUR 220 Mio davon ging an Projekte von Großunternehmen, EUR 161 Mio an Projekte von KMU. Aktuell listet der österreichische Fördergeber 81 (sehr unterschiedliche) Projekte zum Suchbegriff Maintenance.

Gerade mit dem Themenbereich Industrie 4.0, Digitalisierung, digitale Transformation werden Ängste geschĂŒrt. Aktive, offene Kommunikation mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist Voraussetzung dafĂŒr, möglichst alle Teammitglieder als aktive Player mitzunehmen und ihre Anforderungen und Ideen erfolgreich zu integrieren.

⭐ Wichtig ist nicht jede ‚Spielerei‘ unreflektiert einsetzen, sondern strategisch vorgehen, WirtschaftlichkeitsĂŒberlegungen gezielt anstellen, relevante Anlagenteile auswĂ€hlen und mit definierten Aufgabenstellungen starten. UnterstĂŒtzung von außen holen und auch mal den Sprung in ein Forschungsprojekt wagen.

Autorin:

Lydia Höller ©orhideal-image.com

Lydia Höller

Leitung Unternehmenskommunikation dankl+partner consulting gmbh und MCP Deutschland GmbH

Fachgebiete: Bewusstseinsbildung fĂŒr das Thema Instandhaltung, Organisation von Fachveranstaltungen wie den INSTANDHALTUNGSTAGEN, Aus- und Weiterbildung fĂŒr InstandhalterInnen im Rahmen der Trainingsakademie fĂŒr Instandhaltung und Produktion, Wissensaustausch, Steckenpferd MFA-Netzwerk, Lehrveranstaltung zum Thema ‘Marketing in und fĂŒr die Instandhaltung’, Social Media im B2B-Bereich, Know-how im Bereich interne/externe/integrierte Kommunikation, Budget- und Kampagnenplanung.

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