Risikomanagement_dpMCP_Best Practice Beispiel

­čĺí backaldrin International The Kornspitz Company: Risikoanalyse als Werkzeug zur Steigerung der Anlagenverf├╝gbarkeit

18. Februar 2019 | von Ludwig Grubauer

Wissen Sie, welche Ihrer Anlagen bzw. Anlagenteile Ihre ‘Risikoanlagen’ sind?

Anlagenbezogenes Risikomanagement kann Ihnen helfen, begrenzte Ressourcen in der Instandhaltung zielgerichtet genau dort einzusetzen, wo Sie tats├Ąchlich die gr├Â├čten Risikotreiber haben. Das sind oft zentrale Anlagenteile – oft aber auch versteckte, unbeachtete Teilkomponenten, die im Falle des Falles teure Anlagenausf├Ąlle nach sich ziehen, etwa weil notwendige Ersatzteile nicht auf Lager liegen.

Bei backaldrin International The Kornspitz Company in Asten/O├ľ haben Experten aus Produktion und Instandhaltung eine zentrale Anlage unter dem Gesichtspunkt der Risikobetrachtung unter die Lupe genommen. Nach nur vier Wochen war klar – gezielte Investitionen in der H├Âhe von nur 19 % der Gesamtrisikokosten an den richtigen Stellen, reduzieren die Gesamtrisikokosten insgesamt um 71 %!

Aber der Reihe nach:

Risiko, was bedeutet das?

Eine Definition von Risiko ist ÔÇ×die Gefahr, einen Schaden oder Verlust zu erleidenÔÇť.

Das Risikoausma├č ist der potenzielle (geldwerte) Schaden bzw. die Eintrittswahrscheinlichkeit mal dem Schadensausma├č. So kann etwa das Risiko eines Anlagenausfalls wegen einem h├Ąufig verunreinigten optischen Sensor (hohe Eintrittswahrscheinlichkeit mal geringem Schadensausma├č, Behebung kurzfristig durch Reinigung m├Âglich) eine ├Ąhnliche Bewertung ergeben wie eine unwahrscheinlich auftretende elektrische Spannungsspitze, die zum Stillstand einer verketteten Anlage im 4-Schicht-Betrieb f├╝hrt (geringe Eintrittswahrscheinlichkeit mal hohem Schadensausma├č, wenn entgangene Produktionsmenge nicht mehr aufgeholt werden kann).

Bedeutung von Risikomanagement f├╝r das Unternehmen

Mit der Zielsetzung eines Unternehmers, den Unternehmenswert zu maximieren, m├╝ssen Eintrittswahrscheinlichkeit und Schadensausma├č von Risikoszenarien ber├╝cksichtigt werden. Der Unternehmenswert h├Ąngt demnach sowohl vom Ertrag als auch vom Risiko ab, Risikomanagement ist somit ein Teil einer wertorientierten Unternehmensf├╝hrung.

Aufgaben eines anlagenbezogenen Risikomanagements

Ein anlagenbezogenes Risikomanagement zielt auf die Absicherung der Anlagenverf├╝gbarkeit ab und soll folgende Aspekte umfassen:

  • Die Schl├╝sselanlagen aus Sicht der Produktion als ÔÇ×RisikotreiberÔÇť identifizieren; potenzielle Risiken fr├╝hzeitig erkennen, noch bevor sie zum Ausfall f├╝hren
  • Risiken quantifizieren und vergleichbar darstellen
  • M├Âglichkeiten zur Risikoreduzierung ausarbeiten und bewerten
  • Die Ma├čnahmen auf Grundlage der abgesch├Ątzten Risikoreduzierung priorisieren
  • Ausgew├Ąhlte Ma├čnahmen umsetzen
  • Ver├Ąnderungen des Risikopotenzials infolge Verbesserungsma├čnahmen sowie hinsichtlich ge├Ąnderter Rahmenbedingungen regelm├Ą├čig verfolgen
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Bild 1: Risikomanagement als laufender Prozess
Quelle: dankl+partner consulting gmbh | MCP Deutschland GmbH

Risikoarten f├╝r Produktionsanlagen

Auf die Produktionsanlagen bezogen lassen sich verschiedene Bedrohungen unterscheiden:

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Bild 2: Risikobedrohung f├╝r Produktionsanlagen
Quelle: dankl+partner consulting gmbh | MCP Deutschland GmbH

Im Bereich der Instandhaltung und Anlagenbewirtschaftung sind die Ausfallkosten von zentraler Bedeutung; dabei lassen sich wie folgt unterscheiden:

  • Ausfallkosten im weiteren Sinn, sie umfassen alle Kosten zur Bek├Ąmpfung nachteiliger ├Âkonomischer Konsequenzen des Verschlei├čes im Beschaffungs-, Produktions- und Absatzbereich eines Unternehmens.
  • Ausfallkosten im engeren Sinn, sie beinhalten den Anfall von Erfolgseinbu├čen, Erl├Âsminderungen und Kosten w├Ąhrend und nach der Dauer der Durchf├╝hrung von Instandhaltungsaktionen im Produktionsbereich.
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Bild 3: Kostenhebel Produktionsausfallkosten/Produktionsverluste 
Quelle: dankl+partner consulting gmbh | MCP Deutschland GmbH

Risikoanalyse: Worauf m├╝ssen wir fokussieren?

In der Risikoanalyse geht es um die Identifikation und anschlie├čende Bewertung der im Unternehmen existierenden anlagenbezogenen Ausfallrisiken.

F├╝r die Identifikation der Risikotreiber hat sich die vorherige Definition von Schl├╝sselanlagen mit Beschr├Ąnkung einer Bewertung auf diese Auswahl bew├Ąhrt. Damit kann ein Totlaufen der Systematik infolge undifferenzierter zeitaufw├Ąndiger Anwendung auf alle Produktionsanlagen vermieden werden.

Die Schl├╝sselanlagen lassen sich aus einer Produktions- oder Asset-Management-Strategie ableiten. Hilfreich dabei sind auch vorliegende Anlagensubstanz-Bewertungen. Bereits verf├╝gbar sind IT-Tools f├╝r die systematische Identifikation von Schl├╝sselanlagen bei umfangreicherem Maschinen- und Anlagenpark. Insgesamt erfolgt diese Anlagenauswahl im Vorfeld der Analyse durch das Produktions-Management mit Unterst├╝tzung durch das Instandhaltungs-Management.

Mitarbeiter mit Anlagenerfahrung einbinden!

F├╝r die Bewertung der Ausfallrisiken ist die Einbeziehung der Mitarbeiter mit Anlagenerfahrung unumg├Ąnglich. Dabei wird in der Diskussion zwischen Produktion (z.B. Anlagenfahrer, Schichtf├╝hrer, Produktionsmeister) und Technik (z.B. IH-Meister, IH-Planer, Engineering, Fachexperten) das Verst├Ąndnis f├╝r Ursachen und Wirkung sowie f├╝r die unterschiedlichen Sichtweisen verbessert. Der Zeitaufwand f├╝r diese Workshops l├Ąsst sich durch professionelle Moderation gut eingrenzen.

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Bild 4: Selektion mittels Risikomatrix 
Quelle: dankl+partner consulting gmbh | MCP Deutschland GmbH

Risikoreduzierung ÔÇô Fokus auf Wirtschaftlichkeit

Bei der Reduzierung des Risikos steht die Wirtschaftlichkeit der Ma├čnahmen im Vordergrund. Naheliegend, dass im ersten Schritt eine Optimierung der IH-Strategie zum jeweiligen technischen Objekt gepr├╝ft werden muss: durch Verbesserung der Wartungs- und Inspektionsma├čnahmen (Intervalle, aussagekr├Ąftige Dokumentation von Inspektionen zur Beurteilung des tats├Ąchlichen Anlagenzustands oder dessen Ver├Ąnderungen, Inhalte der Ma├čnahmen, Vorgaben f├╝r die Durchf├╝hrung der W&I-Ma├čnahmen in Arbeitspl├Ąnen, ÔÇŽ) lassen sich oft ohne Zusatzkosten Ausfallrisiken schrittweise reduzieren.

Der zweite Schritt f├╝hrt zu ├ťberlegungen technischer Verbesserungen wie Materialauswahl, konstruktive ├änderungen, Schaffung von Redundanzen, Standardisierung von Austauschteilen usw. Der damit verbundene Kostenaufwand muss sich amortisieren, Wirtschaftlichkeitsvergleiche wie bei jeder anderen technischen Ma├čnahme auch sind notwendig.

Wenn die beiden ersten Schritte nicht zum gew├╝nschten Ziel f├╝hren, sollten ├ťberlegungen zur Optimierung der Ersatzteil-Strategie angestellt werden. Denn vorgehaltene Ersatzteile verhindern nicht den Anlagenausfall. Sie k├Ânnen die Dauer ungeplanter Stillst├Ąnde reduzieren, stellen aber gebundenes Kapital dar und m├╝ssen verwaltet, gelagert und mitunter auch gewartet werden. Eine Vorstufe kann hier noch die Verbesserung der Supply Chain ├╝ber externe Materialbevorratung oder Liefervertr├Ąge mit Verf├╝gbarkeitsgarantien innerhalb definierter Zeitr├Ąume darstellen.

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Bild 5: Potenziale zur Risikosenkung 
Quelle: dankl+partner consulting gmbh | MCP Deutschland GmbH

ÔÜÖ´ŞĆPraxisbeispiel Lebensmittelindustrie

Bei backaldrin International The Kornspitz Company in Asten/O├ľ hat man mit dieser Vorgangsweise schon Erfahrung: ab Oktober 2017 wurde von den Fachleuten aus Produktion und Instandhaltung eine ausgew├Ąhlte Schl├╝sselanlage unter die Lupe genommen.

F├╝r diese erste Pilot-Anwendung holte man sich mit dankl+partner kompetente Unterst├╝tzung ins Haus. Das hat sich mit einer strukturierten zeiteffizienten Moderation durch den Prozess der Analyse und Ma├čnahmenableitung bezahlt gemacht und stellt gleichzeitig eine Schulung interner Mitarbeiter in der Methodenkompetenz dar.

Nach vier Wochen konnte das Bearbeitungsteam dem Management das in Bild 6 dargestellte Ergebnis pr├Ąsentieren.

Aus 94 Technischen Objekten wurden 9 Top Risikotreiber identifiziert und dazu
7 Verbesserungsma├čnahmen definiert,
wobei sich eine der Ma├čnahmen auf 3 Top Risikotreiber auswirkt.

Die Ma├čnahmen wurden im Anschluss schrittweise zur Umsetzung freigegeben.

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Bild 6: Ergebnis Risiko-Optimierung mit dem RCM-Speed-Ansatz
Quelle: dankl+partner consulting gmbh | MCP Deutschland GmbH

Hinweis: Das hier in % angegebene Risiko wird bei der Analyse in TEUR/a ausgewiesen      Quelle: dankl+partner consulting gmbh | MCP Deutschland GmbH, Praxisbeispiel 2017

Risikoanalyse: Ein Werkzeug zur Steigerung der Anlagenverf├╝gbarkeit?

Risikomanagement darf unternehmerische Initiativen und Wachstum nicht behindern, sondern kann helfen, Gewinnpotenziale realistisch einzusch├Ątzen und zu realisieren. Damit verbessert Risikomanagement die Wettbewerbsf├Ąhigkeit des Unternehmens, reduziert die Wahrscheinlichkeit von Krisen und steigert den Unternehmenswert. Praxisbew├Ąhrte Anwendungen helfen, diese Gewinnpotenziale mit dem Fokus auf die wesentlichen Risikotreiber zu identifizieren und die richtigen Verbesserungen rasch umzusetzen.

Zum Autor

Portr├Ątfoto Ludwig Grubauer

Dipl.-Ing. Ludwig Grubauer

Koordinator, Senior Consultant & Trainer
dankl+partner consulting gmbh

Fachgebiete: Instandhaltungsmanagement, Riskobasierte instandhaltungsstrategien, Outsourcing, Arbeitssicherheit (Sicherheitsfachkraft), betrieblicher Brandschutz (Brandschutzbeauftragter), Maschinenbau, Prozessoptimierung, Wirtschaftsingenieurwesen, Mineralrohstoffgewinnung (Tagebautechnik & Sprengung)

System for Excellence, S4E, dankl, OEE, best practice, Leistung, Performance, Optimierung, Instandhaltung, Asset Management

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