Predictive Maintenance: Schneller als der Fehler sein!

3. November 2017 | von Sassy Dankl

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Mit dabei beim Roundtable Gespräch des Industrieanzeigers zum Thema Mehrwert durch Digitalisierung in der industriellen Instandhaltung

„Instandhaltung ist nicht sexy — sie wird in vielen Betrieben primär als Kostenverursacher gesehen“, eröffnet Dr. Andreas Dankl, Geschäftsführer und Gesellschafter von dankl+partner und MCP Deutschland sowie des österreichischen Vereins MFA (Maintenance and FacilityManagement Society of Austria) die Gesprächsrunde. Kommt es doch einmal zu einem Maschinenausfall und — im schlimmsten Fall zum Produktionsstillstand — verlagert sich das Thema schlagartig an oberste Stelle.

Predictive-Maintenance-Szenarien werden von Unternehmen gern als Umsetzungsbeispiel für das schwer greifbare Thema Industrie 4.0 gezeigt. Dass deutsche Maschinenbauer intelligente Tools aber noch nicht flächendeckend einsetzen zeigte das roundtable Gespräch mit Fachleuten aus Industrie und Instandhaltung.

„Wenn es zu einem ungeplanten Stillstand kommt und das die Firmen Geld kostet, werden sie sich überlegen, wie sie das künftig vermeiden können“, so Norbert Süß, Leiter Service und Retrofit bei Baumüller Anlagensystemtechnik.

Die Relation ist wichtig, denn jedes Unternehmen sollte nicht nur versuchen, Instandhaltungskosten zu minimieren, sondern auch schauen, wie der Ertrag im Sinne von Ausfallkosten über entgangene Deckungsbeiträge ist. An diesem Punkt kann das Management ansetzen, da sich eine solche Strategie auf die Struktur des gesamten Betriebs auswirken kann!

„Der springende Punkt bei Predictive Maintenance ist, schneller als der Fehler zu sein“, betont Süß von Baumüller. Als Jobkiller für die Instandhaltungsbranche sehen die Gesprächsteilnehmer die Digitalisierung nicht. Es ist nicht leicht für viele Industriebetriebe geeignete qualifizierte Techniker zu finden, die Instandhaltung betreiben können. Mitarbeiter und Unternehmen gewinnen, wenn man es schafft mittels intelligenter Instandhaltungsstrategien, Arbeitsbelastungen gleichmäßiger zu verteilen. Manche Mitarbeiter lehnen Veränderungen kategorisch ab, junge Nachwuchskräfte dagegen können die Unternehmen teilweise nur moch gewinnen, wenn sie moderne Methoden in der Instandhaltung einsetzen.

„Der Trend geht klar in Richtung Sorglos-Pakete für Anlagenbetreiber“, bestätigt Dankl.

Getrieben wird diese Entwicklung sowohl von Betreiberseite, die auf begrenzte Ressourcen und den wirtschaftlichen Druck am Markt reagieren müssen, als auch von Kundenseite, die ein vielfältiges Angebot mit IoT-Bausteinen von Anbietern fordern. Predictive Maintenance ermöglicht somit indirekte Kundenbindung.

Die Teilnehmer.

  • Dr. Andreas Dankl, Geschäftsführer MCP Deutschland und dankl+partner sowie Geschäftsführer der MFA (Maintenance and Facility Management Society of Austria
  • Dr. Bernd Bauer, Manager Service Sales Development bei SKF
  • Franz Braun, Chief Digital Officer bei Bilfinger
  • Ralph Müller, LoB Sales bei SAP
  • Norbert Süß, Leiter Service und Retrofit bei Baumüller Anlagen-Systemtechnik

Was ist eigentlich Predictive Maintenance?

Predictive Maintenance setzt sich aus drei Bestandteilen zusammen:

  • Daten sammeln
  • Daten analysieren
  • Prognosen ableiten mittels mathematischer Vorhersagemodelle (mithilfe intelligenter IT)

Die vorausschauende Wartung ist vom Condition Monitoring zu unterscheiden. Denn bei der Zustandüberwachung von Maschinen wird die Zeit bis zum Ausfall eines Bauteils oder dem Stillstand einer Anlage vorhergesagt. Predictive Maintenance setzt früher an, indem sie schneller als der Fehler ist. Die Zustandsüberwachung reagiert auf Missstände, Predictive Maintenance proagiert.

Der vollständige Artikel wurde von Nora Nuissl Redakteurin des Industrieanzeigers verfasst.

Titelbild: © Tom Öttle/ Industriemagazin