Mädchen mit Glühbirne am Kopf

#Meinung: Wissen von Extern – wo liegt der Mehrwert?

2. Mai 2018 | von Harald Klimes

Viele Jahrzehnte ging es den Beratungsunternehmen in Österreich und Deutschland prächtig und das Wachstum befand sich oft im zweistelligen Bereich. Sie wurden gerufen, wenn es um globale Entwicklungsstrategien und neue Technologien sowie um Kosteneinsparungen im Betrieb ging. Heute ist das Geschäft rauer geworden und Unternehmen überlegen sich ganz gezielt, für welche Leistungen Unterstützung von Extern eingeholt werden soll.

 

Veränderung der Anforderungen

Laut einer Marktstudie von Kennedy Consulting Research & Advisory in den Achtzigerjahren, machte die klassische Strategieberatung zwei Drittel aller neuen Aufträge aus. Heute sind es nur noch 20 Prozent. Dies liegt einerseits sicher auch daran, dass viele Unternehmen bereits das notwendige Wissen im eigenen Haus haben. Eine Vielzahl von Ex-Kollegen haben in den letzten Jahren die Seite gewechselt und bringen ihr Wissen nun gezielt in dem jeweiligen Unternehmen ein. Zusätzlich haben etliche Unternehmen bereits Basisthemen wie die Festlegung einer Strategie oder saubere Prozesse gut im Griff. Die Unternehmen haben ebenfalls in den letzten Jahren dazugelernt und festgestellt, dass nicht alle mit Beratern entwickelten Konzepte auch wirklich in der Praxis umsetzbar sind. Dies konnte nicht selten dem Verkauf von gut verpackten Halbwissen zugeschrieben werden. So ist auch spürbar, dass die Tendenz von großen unüberschaubaren Projekten eher in Richtung kleinere im Detail spezifizierte Projekte geht. Dies ermöglicht den Unternehmen ein exaktes Messen der zugekauften Leistungen.

Doch ist es schlecht, externes Wissen in Form von Beratern in sein Unternehmen zu holen? Ganz im Gegenteil, jedoch sollte es sich um ganz gezielte Themenstellungen handeln!

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Gezielter und effizienter Einsatz von Beratung

Erfolgreich und wettbewerbsfähig kann nur der sein, der in unserer schnelllebigen Zeit neben dem meist sehr turbulenten Alltagsgeschäft neue Technologien und Produktionsverfahren im Auge behält und auch in der Lage ist, diese in die Praxis umzusetzen. Gerade durch den Hype Industrie 4.0 fällt es oft schwer, nicht die Orientierung und den Fokus auf das Wesentliche zu verlieren. Und genau an diesem Punkt können Beratungsunternehmen und externe Sichtweisen eine große Hilfestellung bieten. Wissen, welches intern erst sehr mühsam durch Ressourceneinsatz aufgebaut werden müsste, kann sehr rasch durch die Auswahl des richtigen externen Experten eingebracht werden. Dies muss nicht immer in der klassischen Form einer Beratung, sondern kann im Sinn von Schulungen, Trainings, Webinaren oder Coachings passieren. In Form eines kontinuierlichen Verbesserungsprozesses sind es die kleinen, im Alltag schaffbaren Arbeitspakete, die ein Unternehmen Stück für Stück vorwärtsbringen und besser werden lassen. Zu Beginn jedoch ist es wichtig, sein eigenes Performancelevel zu kennen.

Wie gut bin ich in den einzelnen Themengebieten und wo steht die Konkurrenz?

Dies kann durch gezielte interne Audits passieren oder durch externe Unterstützung z.B. in Form einer Stärken- und Schwächenanalyse. Im Anschluss werden jene Themenfelder selektiert, welche die größten Hebel für Verbesserungen aufweisen (z.B. Standardisierung von Prozessen, Einführung von IT-Systemen, Aufbau eines Ersatzteilmanagements, Lieferantenvereinbarungen, usw.). So kann sichergestellt werden, dass die Zeit, einer unserer wichtigsten Ressourcen, für jene relevanten Themen eingesetzt wird, die den Unternehmenserfolg auch wirklich steigern. Unwesentliche Themen werden erst gar nicht angegriffen. Das Wissen darüber, welche Themen aufgrund vorhandener Kompetenzen aus den eigenen Reihen bearbeitet werden können, stellt eine wichtige Basis für die Entscheidungsfindung für eine interne Bearbeitung oder externe Hilfestellung dar. Handelt es sich dabei um Kernkompetenzen, sollte das Wissen für diese mittel- bis langfristig im Unternehmen aufgebaut und mit dem eigenen Personal abgedeckt werden. Betrifft es jedoch Themenstellungen, die wichtige Bestandteile für einen effizienten Wertschöpfungsprozess darstellen (z.B. Einführung von IT-Prozessen, IT-Unterstützung, Aufbau von IH-Ablaufprozessen, Anpassung der Aufbauorganisation, Risikoanalyse von Anlagen, usw.) jedoch es sich dabei nicht um Kernkompetenzen handelt, sollte über externe Unterstützung nachgedacht werden. Diese können in unterschiedlichsten Formen erfolgen wie z.B. Einzelbeauftragung, Rahmenverträge, Partnerschaften, usw.

Erfolgreich dort, wo man zu Hause ist

Eine Reihe von Beratungshäusern haben sich ganz gezielt auf spezifische Themen spezialisiert. Nicht die Quantität der mit dem eigenen Personal abdeckbaren Themen liegt im Vordergrund, sondern vielmehr die Qualität bzw. der Grad der Expertise wie Themen praxistauglich an den Kunden gebracht werden können. Nur dann entsteht bei zugekauften Leistungen auch wirklich ein Mehrwert. So ist erkennbar, dass Kooperationsgemeinschaften unter den Beratungsfirmen eingegangen werden, um im Bedarfsfall an einen kompetenten Partner verweisen zu können. Im englischen heißt es „do what you can do best“ also tue das, was du am besten kannst. Die Zeit, in der beim Kunden erfolgreich Halbwissen durch geschicktes Marketing verkauft werden kann ist nun endlich vorbei. Viel zu groß ist bereits das Wissen und die Eigenkompetenz der Unternehmen um dies zu durchschauen. Eine Geschäftsbeziehung würde nicht von langer Dauer sein.

Um die Basis für erfolgreiche Projekte zu schaffen, sind drei wichtige Bausteine für die Zusammenarbeit mit Kunden notwendig: Fachkompetenz, Methodenwissen und Sympathie. Es sind wichtige Elemente für den gemeinsamen Erfolg auf dem das Vertrauen aufbaut.

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Die Fachkompetenz oder auch unter Sachkompetenz bekannt, das Methodenwissen und die Sympathie den Ansprechpartnern bzw. Projektbeteiligten gegenüber, stellen wichtige Voraussetzung für eine gemeinsame Zusammenarbeit dar. Ein voll ausgeprägtes Fachwissen und viel Methodenwissen um Inhalte in der Praxis umsetzen zu können alleine genügen meist für eine erfolgreiche Zusammenarbeit nicht aus. Aus der anderen Seite betrachtet würde Sympathie alleine nicht zu einem Projekterfolg führen.

In der Mitte stehen das Vertrauen und der gemeinsame Erfolg. Diese können in Projekten anwachsen, vorausgesetzt es wird die Erwartungshaltung des Kunden erfüllt. Relevant für eine vertrauenswürdige Zusammenarbeit ist auch im Vorhinein auf Kollegen, Netzwerkpartner oder andere Beratungsunternehmen zu verweisen, sollte es sich bei dem zu bearbeitenden Thema nicht um eine eigene Kernkompetenz und die Möglichkeit einer kompetenten Abarbeitung handeln.

 

Gut ist OK, aber wie werde ich Best Practice?

Die Produktions- und Instandhaltungstechnologien haben sich in den letzten Jahrzehnten drastisch verändert. So haben sich seit 1960 die IH-Software Lösungen zu effizienten und wirtschaftlichen Alltagsbegleitern entwickelt die nicht mehr wegzudenken sind. Predictive Maintenance, also die vorausschauende Instandhaltung, entwickelt sich zu einem leistbaren und praxistauglichen Instrument. Um diesen Trends nachzukommen und Wissen aufzubauen sind Kooperationen mit Forschungseinrichtungen und der Einsatz von externen Dienstleistern meist sehr hilfreich. Aufgrund der Vielzahl von technologischen Neuentwicklungen und des Kostendrucks sollte genau selektiert werden, welche Wissensbausteine zukünftig vom eigenen Personal abgedeckt werden sollen und welche mit Hilfe von externen Partnern miteinfließen.

 

Bei einem systematischen Vorgehen, je nach Projektintensität, signifikante Verbesserungen. Innerhalb von 3-4 Jahren ist ‘Weltklasse-Niveau’ möglich.

Unsere Erfahrungen zeigen, dass die Instandhaltungs-Performance bei einem systematischen Vorgehen innerhalb von 2-3 Jahren, je nach Projektintensität, signifikant verbessert werden kann, in einem Zeitraum von 3-4 Jahren ist ‘Weltklasse-Niveau’ möglich.

Üblicherweise kann bei Umsetzung der “richtigen” Optimierungsansätze die Instandhaltung von einem sehr niedrigen Performancelevel in einem Zeitraum von 3 – 4 Jahren auf “Weltklasse-Niveau” verbessert werden. Viele Unternehmen besitzen Verbesserungspläne die jedoch nie zum Einsatz kommen, da bereits neue Initiativen gestartet werden. Die Umsetzungsphase
findet aufgrund von Ressourcenmangel kaum oder im schlimmsten Fall gar nicht statt. Interessant dabei ist, dass die notwendige
Zeit um ein Best Practice Dokument zu erstellen (Definition von Rollen und Projektmitglieder, Methoden, Verantwortlichkeiten, usw.) vielleicht 5% des gesamten Projektaufwandes benötigt. Um die Akzeptanz und die Leute „on board“ zu bekommen in etwa 10% des gesamten Aufwands. 85% des Aufwandes besteht aus dem “tun” welches aus On the Job Training, Beratung, Coaching und Unterstützung besteht.

Meist liegt der Unterschied zwischen einem Best Practice- und einem Durchschnittsunternehmen nur darin, dass die Best Practice Unternehmen Best Practice Methoden umsetzen und anwenden. Andere wissen meist was zu tun ist, setzen jedoch gar nicht oder zu wenig um.

ZUSAMMENFASSUNG

  • Ein gezielter Einsatz von externen Dienstleistern hilft Ihnen bei der Einführung von neuen Technologien und Best Practice Methoden.
  • ƒƒAnalysieren Sie Ihre bereits vorhandene Stärken und Schwächen (= Verbesserungsansätze). Dies kann in Form interner Audits oder durch praxiserprobte Methoden von externen Dienstleistern durchgeführt werden.
  • Legen Sie fest, welche Themen aufgrund des bereits vorhandenen Wissens intern und welche Themenstellungen durch externe Unterstützung bearbeitet werden sollen. Dies kann in Form von Trainings, Coaching, Webinaren, Beratung, usw. geschehen.
  • TIPP: Achten Sie bei der Festlegung von Themengebieten die intern abgewickelt werden sollen auf die vorhandenen internen Ressourcen. ƒƒ
  • Lassen Sie sich bei externen Partnern geeignete Referenzen zeigen. Beratungsfirmen haben meist ihre eigenen Stärken & Schwächen in den einzelnen Themengebieten!
  • Definieren Sie überschaubare Arbeitspakete welche im Alltag umsetzbar und auch messbar sind. Holen Sie sich bei der Festlegung der Aufgaben bei Bedarf Unterstützung ins Haus.
  • Gehören Sie zu den Besten, definieren Sie Verbesserungsansätze & Best Practice Lösungen und setzen Sie die festgelegten Aufgaben kontinuierlich um. Verwenden sie zur Kontrolle geeignete Projektmanagement Werkzeuge.
  • Vermarkten Sie die Erfolge im Unternehmen, um Gelungenes in die Breite zu tragen!

Zum Autor:

Harald Klimes ©dankl+partner consulting gmbh

DI(FH) HARALD KLIMES

Consultant und Projektmanager bei dankl+partner, davor leitende Funktionen in einem globalen Produktionsunternehmen

Fachgebiete: Instandhaltung 4.0/Digitalisierung, Entwicklung von Anlagen- & Ersatzteilstrategien inkl. Umsetzung, TPM Einführung (5S, Autonome Instandhaltung, Anlagenoptimierung, KPI-Festlegung), Produktivitäts-, Verfügbarkeits- und Zuverlässigkeitsanalyse, In-/Outsourcing Thematiken, disziplinäre und fachliche Personalführung, Projektmanagement, Training, Moderation, Coaching.

QUELLEN:
– https://www.brandeins.de/wissen/brand-eins-thema-unternehmensberater/unternehmensberater-vom-besserwisser-zum-bessermacher/unternehmensberaung-strukturwandel-ende-eines-mythos/

– Maintworld 04 / 2017 „Enabling bigger thinking“

Titelbild: ©iStock_RichVintage

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