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đŸŽ€ Smart Maintenance: Sind die Herausforderungen in der Instandhaltung mittels Digitalisierung zu lösen?

22. Mai 2019 | von Gastkommentar

Das TagesgeschĂ€ft in der Instandhaltung ist herausfordernd. Kosten- und im Besonderen der Zeitdruck nehmen immer weiter zu. Wie also die Instandhaltungs-Organisation durch neue ‚digitale‘ Werkzeuge unterstĂŒtzen?

Das ist die Kernfrage am Praxistag: Smart Maintenance am 09. Juli in MĂŒnchen. Wir haben bei den Initiatoren Christian Jeske (Membrain GmbH, links) und Andreas Dankl (MFA, dankl+partner consulting | MCP Deutschland, rechts) genauer nachgefragt.

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Andreas Dankl, dankl+partner consulting gmbh, MCP Deutschland

Herr Dankl, was sind fĂŒr Sie, als Experte fĂŒr Instandhaltung und Asset Management, die grĂ¶ĂŸten Potentiale der Digitalisierung in der Instandhaltung?

Andreas Dankl ©orhideal-image.comDie Instandhaltung steht heute vor vielen Herausforderungen: diese Themen sind nicht neu, verschĂ€rfen sich aber zusehends. FachkrĂ€ftemangel, enorme Arbeitsbelastungen, zunehmende Anforderungen an die Qualifikation und FlexibilitĂ€t des Instandhaltungspersonals, stĂ€rkere Anlagenautomatisierung und vieles mehr.  Die Bedeutung von AnlagenverfĂŒgbarkeit und -zuverlĂ€ssigkeit und die Notwendigkeit der Anlagensubstanzerhaltung sind hinreichend bekannt. Ziel der Instandhaltung muss also sein, bestehende Prozesse, Strukturen und eingesetzte Methoden, Techniken und Tools kritisch zu hinterfragen und ggf. anzupassen.

Digitalisierung / Industrie 4.0 und damit verbundene neue Lösungen stellen eine Möglichkeit dar, die Anforderungen besser zu erfĂŒllen. Basis fĂŒr die EinfĂŒhrung digitaler Lösungen in der Instandhaltung ist aber immer eine kritische Sicht auf die am Markt angebotenen Lösungen und deren Anwendbarkeit in der eigenen Instandhaltungs-Organisation. Dementsprechend mein Apell: Nehmen Sie sich Zeit fĂŒr einen Blick auf Ihre aktuelle Situation in der Instandhaltung, zu vorhandenen StĂ€rken aber auch Verbesserungsmöglichkeiten; ĂŒberprĂŒfen Sie die Praxistauglichkeit und Wirtschaftlichkeit der angebotenen digitalen Lösungen und wĂ€hlen Sie selektiv die fĂŒr Ihre Organisation passenden Anwendungen.

Herr Dankl, welche aktuellen Trends findet man im Bereich „digitale Instandhaltung“?

Andreas Dankl ©orhideal-image.comIm Rahmen von mittlerweile 8 Jahren intensiver F&E-AktivitĂ€ten und Marktbeobachtung zum Thema „Industrie 4.0 / Digitalisierung in der Technik (Anmerkung: Technik ist Instandhaltung, Asset Management & Engineering)“ haben wir 10 Themenschwerpunkte identifiziert; diese reichen von der digitalen Anlagenvernetzung, ĂŒber DatenverfĂŒgbarkeit/-qualitĂ€t/-sicherheit, Management von (Echtzeit-)Daten und digitalisierte Prozesse bis zur Anwendung von MobilgerĂ€ten und Applikationen sowie daraus entstehende neue Arbeitsmodelle und natĂŒrlich dem Personal- und Wissensmanagement.

Diese Themenschwerpunkte lassen sich zu 2 elementaren Trends zusammenfassen: Einerseits der VerknĂŒpfung von z.B. Anlagen-, Produktions-, Prozess- und Instandhaltungsdaten, um effektivere (= wirksamere) Entscheidungen und Maßnahmen datenbasierend und z.T. vorausschauend vorzunehmen; das betrifft z.B. das Echtzeit-Monitoring von kritischen Anlagen/teilen und die Ableitung von vorrausschauenden InstandhaltungstĂ€tigkeiten (Predictive Maintenance). Oberstes Ziel ist hierbei, auf Basis von Echtzeitdaten ĂŒber Produktionsbedingungen und AnlagenzustĂ€nde frĂŒhzeitig mit geeigneten Instandhaltungsmaßnahmen möglichen Störungen und AnlagenausfĂ€llen entgegen zu wirken. Zu den datenbasierenden Entscheidungen gehören aber auch die effektivere Planung von Anlagenrevisionen oder die Wochenplanung durch eine bessere Abstimmung der Produktionsvorgaben mit den erforderlichen InstandhaltungstĂ€tigkeiten.

Der 2. Trend zielt auf die Effizienzsteigerung bei Prozessen, Aufgaben und dem Personaleinsatz ab. Hier geht es primĂ€r darum, nicht wertschöpfende Zeiten wie z.B. Wegzeiten, Fehlersuchzeiten, Suche nach Ersatzteilen oder Dokumenten, Abstimmungszeiten zw. Produktion und Instandhaltung oder die Zeiten fĂŒr Dokumentationsaufgaben zu minimieren. Basis fĂŒr diese Effizienzsteigerung sind geeignete Instandhaltungs- und Dokumenten-Management-Systeme mit entsprechender FunktionalitĂ€t, Benutzerfreundlichkeit und nutzbaren DatenbestĂ€nden; diese Aspekte sind nicht neu; aber in Verbindung mit eingesetzten MobilgerĂ€ten wie z.B. Smartphones, Tablets oder Datenbrillen, der Anwendung von Assistenzsystemen (z.B. Sprachapplikationen, Gestenerkennung) und Auto-ID-Techniken wie QR- und Barcode oder RFID lassen sich Instandhaltungs-Prozesse und -Aufgaben signifikant vereinfachen und zeitlich verkĂŒrzen sowie sicherer und fehlerfreier gestalten. Es gilt, meist papiergebundene Prozessschritte medienbruchfrei abzubilden und mittels digitaler Tools zu „automatisieren“. Dabei darf aber niemals vergessen werden, dass organisatorische Regeln wie z.B. zur PrioritĂ€tsvergabe fĂŒr Störungsmeldungen oder vereinbarte Spielregeln zw. Produktion und Instandhaltung bei der Wochenplanung immer die Grundlage darstellen. Und natĂŒrlich ist die Usability der eingesetzten digitalen Tools von Bedeutung; denn nur einfach und intuitive zu bedienende Anwendungen genießen die Akzeptanz der Anwender und entscheiden so letztlich ĂŒber den Erfolg.

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Herr Jeske, sie unterstĂŒtzen ihre Kunden bei der Digitalisierung von Prozessen. Was bedeutet fĂŒr Sie Smart Maintenance? Wo stehen die Unternehmen aktuell?

membrain gmbh, praxistag smart maintenance, interviewWir sehen, dass eine wesentliche Grundvoraussetzung fĂŒr Digitalisierungsprojekte im industriellen Umfeld Vorhandensein von technischen Standards und Normen ist. Nur so kann eine ĂŒbergreifende Kommunikation zwischen Menschen, Maschinen und Systemen ermöglicht werden. Weiterhin sind leistungsstarke Systeme notwendig, die Echtzeitanwendungen befĂ€higen. DarĂŒber hinaus erhalten relevante Echtzeitdaten außerdem hohe Bedeutung. Aufgrund dieser Voraussetzungen haben sich die Anwendungsbereiche unterschiedlich weit in Unternehmen etabliert. Der Bereich Smart Maintenance – also die mobile und systemgestĂŒtzte Wartung – verfĂŒgt ĂŒber einen hohen Grad an Standards sowie klar definierte Prozesse. Aus diesem Grund lassen sich herkömmliche papierbasierte manuelle Prozesse sehr einfach durch eine mobile Lösung (App) ablösen, die bereits in vielen Unternehmen im Einsatz sind. InstandhaltungsauftrĂ€ge werden in diesen Unternehmen direkt von mobilen GerĂ€ten der Instandhalter bearbeite und verwaltet. Das erspart unnötige sowie lange Wege und der Gang ins InstandhaltungsbĂŒro wird ĂŒberflĂŒssig, da die gesamte Kommunikation (RĂŒckmeldung/neue AuftrĂ€ge/Ersatzteile) direkt in der App abgewickelt werden. Auch eine schlechte Erreichbarkeit der Mitarbeiter, die KomplexitĂ€t der Auftragszuteilungen sowie der enorme Verwaltungsaufwand lassen sich so deutlich optimieren. Im Ergebnis werden so menschliche Fehler vermieden und eine 100% Transaktionssicherheit gewĂ€hrleisten.

Herr Dankl, ist ‚Predictive Maintenance‘ die Lösung aller Probleme?

Andreas Dankl ©orhideal-image.comDas aktuelle Problem bei Predictive Maintenance ist, dass dieser Ansatz meist mit falschen Botschaften verkauft wird; den FĂŒhrungskrĂ€ften auf Management-Ebene wird suggeriert, dass durch Anwendung geeigneter Prognose- und Simulations-Tools im Betrieb große Kostenpotenziale gehoben werden können. Was dabei i.d.R. nicht angesprochen wird, dass zur Vorhersage von wahrscheinlichen AusfĂ€llen / Störungen entsprechende Berechnungsmodelle zu den Anlagenteilen mit Verschließalgorithmen und Wirkungsketten der relevanten Einflussparameter erarbeitet werden mĂŒssen; diese Modelle erfordern neben Datenanalytikern die Einbindung von Mitarbeitern mit den spezifischen Prozess- und Anlagenkenntnissen, sowie idealerweise die VerfĂŒgbarkeit von Historiedaten aus vergangenen AusfĂ€llen und Störungen mit den zugehörigen Schadenscodes. Ein Prognose- und Simulations-Tool ist also nur einer von vielen Bausteinen auf dem Weg in Richtung „Predictive Maintenance“. Unsere Erfahrungen zeigen, dass dieser predictive Ansatz oftmals in Betrieben mit „falscher“ PrioritĂ€t behandelt wird; denn erst wenn die Möglichkeiten der vorausschauenden und zustandsorientierten Instandhaltungsstrategien ausgeschöpft sind, ist mit dem Fokus auf kritische Anlagen die Anwendung von Predictive Maintenance wirtschaftlich sinnvoll. So besagt z.B. die Studie „DEUTSCHER INDUSTRIE 4.0 INDEX“ aus dem Jahr 2017, dass ca. 75% der Befragten das Leistungsvermögen der aktuell am Markt verfĂŒgbaren Predictive-Maintenance-Lösungen mit gering und ausbaufĂ€hig erachten.

Herr Jeske, Sie als Digitalisierungs-Fan, wie kann Digitalisierung die Instandhaltung ganz konkret unterstĂŒtzen?

membrain gmbh, praxistag smart maintenance, interviewDigitalisierung hilft dabei, den großen Anteil von sich stĂ€ndig wiederholenden manuellen Aufgaben mit Hilfe von Technologien zu automatisieren und auf ein Minimum zu reduzieren. Die dabei freigewordenen Ressourcen können dann wiederum fĂŒr anspruchsvolle Aufgaben mit entsprechend höherer Wertschöpfung gewinnbringend eingesetzt werden. Die Datenerfassungsarchitektur soll Prozesse vereinfachen, höchste Transaktionssicherheit gewĂ€hrleiten, Mitarbeitereffizienz steigern und menschliche Fehler vermeiden. Wichtig dabei ist allerdings, dass die Digitalisierungsstrategie einen ganzheitlichen Ansatz verfolgt. Denn Insellösungen mit MedienbrĂŒchen eliminieren keine menschlichen Fehler und schaffen somit nur punktuelle Effizienzsteigerung aber keine durchgehende Digitalisierung. Digitalisierung ist bei Instandhaltungsprozessen Pflicht und keine KĂŒr. Ein integrierter Softwareansatz ist fĂŒr mobile Apps dabei entscheidend, denn nur eine integrierte Lösung auf Basis einer modularen Softwarearchitektur ermöglicht eine lĂŒckenlose RĂŒckverfolgbarkeit sowie hundertprozentige Transaktionssicherheit ins fĂŒhrende System. EchtzeitfĂ€higkeit gewĂ€hrleistet dabei, immer den tatsĂ€chlichen Stand verfĂŒgbar zu machen.

Herr Dankl, als GeschĂ€ftsfĂŒhrer des Netzwerk fĂŒr Instandhaltung, der MFA, veranstalten Sie dieses Jahr erstmals den Praxistag: Smart Maintenance gemeinsam mit einigen Partnern. Was erwartet die Teilnehmer?

Andreas Dankl ©orhideal-image.com

Eines ist fĂŒr uns klar: Die Optimierung der Produktion braucht eine intelligente Instandhaltung. Smart Maintenance hilft die VerfĂŒgbarkeit von Maschinen, Anlagen und Prozessen zu sichern und zu optimieren. Beim Praxistag: Smart Maintenance erwarten die Teilnehmer Experten aus der Praxis mit konkreten Anwendungsbeispielen. Neue Technologien schaffen keine Wunder, aber sie helfen, bestehende Team effizienter einzusetzen, punktgenauer zu qualifizieren und Prozesssicherheit zu gewĂ€hrleisten. Wie das aussehen kann, diskutieren wir am 09. Juli mit den Teilnehmern.

Wir freuen uns besonders, ĂŒber die prominente SchĂŒtzenhilfe der Fachzeitschrift Instandhaltung. Stefan Weinzierl (Redakteur Instandhaltung) wird die Podiumsdiskussion zum Thema Digitalisierung und Instandhaltung leiten. Seien Sie gespannt!

Zur Veranstaltung:

Der Praxistag: Smart Maintenance findet am 09. Juli 2019 in der Flugwerft Schleißheim (NĂ€he MĂŒnchen) statt. Er richtet sich an das Management und Betriebsleiter, Instandhaltungs- und Serviceleiter sowie Produktions-, Technik- und IT-Verantwortliche aus produzierenden Unternehmen. Der Event wird von den drei BranchenverbĂ€nden MFA, FVI und WVIS unterstĂŒtzt.

Die Teilnahme ist kostenlos; Anmeldung erforderlich.

Infos & Anmeldung: www.mfa-netzwerk.at/veranstaltungen/praxistag-smart-maintenance/

Portrait Andreas Dankl: © Orhideal
Portrait Christian Jeske: © Membrain
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